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Montag, 22. Juli 2024

Abschlussklasse von 1974 feiert Jubiläum

Datum:

Abitur vor 50 Jahren: kein Handy, Abistreich, Mottowoche oder Abiball, aber eine Fete im Lohmarer Wald …

Jubiläum am Gymnasium Alleestraße: Am Donnerstag, 6. Juni, feierte der Jahrgang 1974 des ehemaligen „Neusprachlichen Mädchengymnasium und Gymnasium für Frauenbildung der Stadt Siegburg“ das 50-jährige Jubiläum des Abiturs. Schon beim jährlichen Klassentreffen vor drei Jahren stand fest: Der 6. Juni 2024 muss gebührend gefeiert werden. Und so taten es die Frauen des Abiturjahrgangs 1974 dann auch. Im Gepäck hatten sie eine großzügige Spende, über die sich das Gymnasium Alleestraße freuen durfte.

Die 17 eingeladenen Frauen, ehemalige Schülerinnen des 74er-Abiturjahrgangs, trafen sich um 11 Uhr am Stadtmuseum in Siegburg. Ursprünglich waren es 20, zwei ehemalige Absolventinnen sind leider bereits verstorben – von einer weiteren fehlten die Kontaktdaten. Am Stadtmuseum fand vor genau 50 Jahren die Zeugnisvergabe statt. Die damalige Schuldirektorin Dr. Schüller hatte sie übergeben. Auf diese Erinnerung wurde vor Ort mit einem Glas Sekt angestoßen – dann ging es hinein ins Stadtmuseum: Dort unternahmen die Frauen eine Führung durch die Ausstellung „Frauenbilder“. Durchgeführt wurde diese von der Museumsleiterin Dr. Gundula Caspary. Es folgte der Besuch des schon zu Schulzeiten so beliebten Café Fassbender. Danach gab es einen Spaziergang über den neu gestalteten Michaelsberg, damals liebevoll „hill“ genannt. Die Tour endete mit dem Besuch der alten Schule – inklusive Turmbesteigung.

An der Schule begrüßte Sabine Trautwein, die Direktorin des heutigen Gymnasiums Alleestraße, die Gruppe. Dort führten die Damen unter anderem aus, wie glücklich sie seien, dass die Schule ihnen einen so guten Grundstein für ihr weiteres Leben gelegt habe: „Uns geht es allen vergleichsweise gut, und das ist auch ein großer Verdienst der schulischen Ausbildung. Diese hat uns gut auf das Leben vorbereitet“, waren sie sich einig. Sie bedankten sich mit einer großzügigen Spende in Höhe von 1.885 Euro für verschiedene Schulprojekte: Für die „Summerschool“ wurden 1.085 Euro gespendet, für das „Afrika Projekt in Nairobi“ 800 Euro. Der Betrag soll Freude und Dankbarkeit dafür ausdrücken, dass die Schule den Schülerinnen das gute Rüstzeug für ihre Lebenswege mitgegeben hat.

„Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen“. Das Zitat von Georg Friedrich Händel ist auf der Einladung zum Treffen zu lesen. Und so haben es die ehemaligen Schülerinnen auch umgesetzt: damals haben fast alle ein Studium aufgenommen, die beliebtesten Studiengänge waren Jura und Lehramt, eine Mitschülerin ist Pastorin geworden, eine andere Rechtspflegerin, weitere sind heute Kreisinspektorin, Finanzbeamtin, Autorin und Regisseurin – sie alle können auf einen gelungenen Berufsweg zurückblicken. Heute sind viele in Rente oder Pension.

1974 war es eigentlich verpönt, eine Abiturfeier zu machen. Es wurde als spießig und angepasst angesehen. Die Klasse O1gA hat es trotzdem gemacht und sogar die Lehrer eingeladen. Außerdem fand ein selbst organisierter „Oberstufenball“ in der Pausenhalle statt. Es gab zudem gleich mehrere private Feten, zum Beispiel im Lohmarer Wald.

Rückblickend fragt man sich nun – was prägte die Schulzeit damals? Die Klassen hießen Sexta, Quinta, Quarta, Unterprima oder Oberprima, ganz wie beim altsprachlichen Gymnasium der Jungen; Unterricht war von 8 bis 13 Uhr, in Ausnahmen bis 13.45 Uhr; es gab Samstagsunterricht bis 12 Uhr – dann mit Kurzstunden; In den Schuljahren 1966 und 1967 gab es zwei Kurzschuljahre wegen der Umstellung des Schuljahresbeginns von Ostern auf Herbst, entsprechend waren Schüler dieses Jahrgangs beim Abitur jünger als andere; Latein wurde von Klasse 7 bis 11 gelehrt, mit ausnahmslos „großem Latinum“ wie es heute heißt; Anfangs gab es Fächer wie „Nadelarbeit“; mittwochs in der 1. Stunde war Schulgottesdienst, getrennt nach katholisch und evangelisch; Religionslehre stand noch bis Februar 1974 an erster Stelle der benoteten Fächer im Zeugnis; Raucherzimmer gab es im 2. Obergeschoss am Ende des Flures, heute wäre das nicht mehr vorstellbar; alle „blauen“ Briefe waren an den Vater adressiert; passend dazu: Auf den Zeugnissen hieß es bis Januar 1969 „Unterschrift des Erziehungsberechtigten“, ab Juli 1969 hieß es dann aber „Unterschrift der Erziehungsberechtigten“. Ziemlich viel hat sich in den letzten 50 Jahren also verändert, erinnerten sich die Damen bei ihrem Jubiläum freudig zurück.

Der 1974er-Jahrgang an der Schule war einer der letzten als reine „Mädchen-Schule“. Die Direktorin stand mit rasselndem Schlüsselbund am Fenster und kontrollierte, ob die Schülerinnen am Schultor von Jungen abgeholt wurden. Die Frau des Hausmeisters verkaufte in der großen Pause Milch und Kakao in Glasflaschen. Damals schlichen sich die ersten Tetrapaks ein: „Sunkist“ Trinkpäckchen. Essen und Trinken waren während des normalen Unterrichts undenkbar. Besonders in Erinnerung geblieben sind auch die vielen Wandertage und Klassenfahrten nach Nürnberg, Paris oder Berlin. Ein Alleinstellungsmerkmal dieser Klasse sei noch erwähnt: Seit dem Abitur im Jahr 1974 wurde fast jedes Jahr ein privates Klassentreffen durchgeführt. Es gab immer Freiwillige, die es gerne organisiert haben – und das wird mit Sicherheit auch so bleiben. (pho)

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