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Donnerstag, 18. Juli 2024

Individualität oder Gemeinschaft?

Datum:

Aufführung des Theaterstücks „Die Welle“ am Anno-Gymnasium

Eigentlich wollte Jochen Peters, mit Jessica Gillenkirch Leiter des Theaterkurses der Q1, „Die Welle“ von Morton Rue nicht inszenieren. Zu abgedroschen schien ihm das Stück. Trotzdem entschied sich die Gruppe, wegen seiner Aktualität das Stück nach einer Textvorlage von Jochen Strauch auf die Bühne zu bringen.

Nach zwei Aufführungen in der Aula des Anno-Gymnasiums durfte die Gruppe auch beim Bonner Theaterfestival „Spotlights“ im Pantheon in Bonn auftreten. Unterstützt wurde sie hierbei von einigen Klassen, die die Aufführung besuchten und sich das Stück in Bonn ansahen.

Eine junge Lehrerin (resolut gespielt von Ornella Knapp) muss an einer Siegburger Schule den Projektkurs „Autokratie“ übernehmen. Dabei hätte sie viel lieber den Kurs „Anarchie“ durchgeführt. Entsprechend konzept- und lustlos geht sie an die Sache heran, bis im Gespräch mit den Jugendlichen die Aussage zu hören ist: Eine Diktatur in Deutschland sei nicht mehr möglich, sie seien alle zu aufgeklärt.

Das ist der Ausgangspunkt für ihr Experiment, bei dem sie versucht, die unterschiedlichsten Typen mit einheitlicher Kleidung, einem Logo, einem Handzeichen, Slogans und Ritualen zu einer Gruppe zu formen, die sie selbst freiwillig zu ihrer Anführerin wählt. Unter dem Motto „Stärke durch Disziplin! Kraft durch Gemeinschaft! Macht durch Handeln!“ entwickelt sich eine Eigendynamik, wodurch sich die Jugendlichen in die Gruppe einfügen und ihre Individualität aufgeben.

Die Kraft der Bewegung wurde in der Inszenierung auch für das Publikum spürbar gemacht, indem die Akteure zum Teil im Publikum saßen und durch die Theater-AG der Unter- und Mittelstufe verstärkt wurden, sodass man das Gefühl hatte mittendrin zu sein. Die positiven Anfangseffekte der Bewegung kippen aber, als die Gruppe um jeden Preis versucht, neue Mitglieder zu rekrutieren und mit Gewalt gegen Kritiker und Nichtmitglieder vorgeht.

Den Schlusspunkt setzt dann der vormalige Außenseiter Robert (überzeugend präsentiert von Léon Schneider), der nicht in sein altes Leben zurückmöchte und eine Mitschülerin sowie sich selbst tötet. Und vor allem das lässt die Zuschauer nachdenklich zurück. Der Wunsch nach einem übergeordneten Sinn des Lebens und einem Platz in einer Gemeinschaft ist ein Grundbedürfnis vieler Menschen und wir sollten ihn nicht populistischen Gruppen überlassen.

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