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Samstag, 22. Juni 2024

Abitur vor 50 Jahren ganz anders

Datum:

1974 – kein Handy, Abistreich, Mottowoche und Abiball, aber Fete im Lohmarer Wald

Schon vor drei Jahren beim jährlichen Klassentreffen wurde es festgelegt: Der 50. Jahrestag des Erhalts der Abiturzeugnisse am früheren „Neusprachlichen Mädchengymnasium und Gymnasium für Frauenbildung der Stadt Siegburg“, der 6. Juni, muss gebührend gefeiert werden. So wird es in die Tat umgesetzt. Die 17 eingeladenen Frauen – leider sind zwei Mitschülerinnen schon verstorben und von zweien liegen keine Kontaktdaten vor – treffen sich am Stadtmuseum genau um 11 Uhr, dem Zeitpunkt der Zeugnisübergabe durch die damaligen Schuldirektorin Dr. Schüller vor 50 Jahren zum Glas Sekt als Auftakt. Dann eine Führung im Stadtmuseum und die Ausstellung „Frauenbilder“, durchgeführt von der Museumsleiterin Dr. Gundula Caspary, der Besuch des schon als Schülerinnen vor allem bei „Freistunden“ so beliebten Café Fassbender, ein Spaziergang über den neu gestalteten Michaelsberg, damals liebevoll „hill“ genannt und der Besuch unserer alten Schule mit Turmbesteigung. Dort begrüßt Sabine Trautwein, die Direktorin des heutigen Gymnasiums Alleestraße die Gruppe. Mit einer symbolischen Spendenübergabe in Höhe des tollen Betrages von 1.885 Euro für die Schulprojekte „Summerschool“ (1.085 Euro) und das „Afrika Projekt in Nairobi“ (800 Euro) sollen Freude und Dankbarkeit ausgedrückt werden, dass die Schule den Schülerinnen das gute Rüstzeug für ihre Lebenswege mitgegeben hat. „Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen (Georg Friedrich Händel)“ ist auf der Einladung zum Treffen zu lesen und so haben es die Schülerinnen auch umgesetzt: Damals haben fast alle ein Studium aufgenommen, die beliebtesten Studiengänge waren Jura und Lehramt, eine Mitschülerin ist Pastorin geworden, eine Rechtspflegerin, eine Kreisinspektorin, eine Finanzbeamtin, aber auch eine Autorin und Regisseurin können auf einen gelungenen Berufsweg zurückblicken. Jetzt sind alle fast alle schon in Rente oder Pension. In der Erinnerung bleibt: 1974 war es eigentlich verpönt, eine Abifeier zu machen, es wurde als spießig und angepasst angesehen. Die Klasse O1gA hat es trotzdem gemacht und sogar die Lehrer eingeladen, es fand ein selbst organisierter „Oberstufenball“ in der Pausenhalle statt, außerdem gab es mehrere private Feten, zum Beispiel im Lohmarer Wald. Was prägte die Schulzeit: Unsere Klassen hießen Sexta, Quinta, Quarta …. Unterprima, Oberprima, ganz wie beim Altsprachlichen Gymnasium der Jungen; Unterricht von 8 bis 13 Uhr, Ausnahmen: bis 13.45 Uhr, samstags Unterricht bis 12 Uhr (Kurzstunden)! Es gab 1966/1967 zwei Kurzschuljahre im Zusammenhang mit der Umstellung des Schuljahresbeginn von Ostern auf Herbst, daher waren alle beim Abi jünger als andere Jahrgänge; Latein von Klasse 7 bis 11 mit „großem Latinum“ (obwohl ja neusprachlich). Es gab anfangs das Fach „Nadelarbeit“ und mittwochs in der 1. Stunde Schulgottesdienst, getrennt nach katholisch und evangelisch; Religionslehre stand (noch bis Februar 1974) an 1. Stelle der benoteten Fächer im Zeugnis; Kopfnoten bis 1971; Raucherzimmer (!) im 2. OG am Ende des Flures. Alle „blauen“ Briefe waren nur an den Vater adressiert. Passend dazu: Auf den Zeugnissen bis Januar 1969 „Unterschrift des Erziehungsberechtigten“. Ab Juli 1969 dann aber „Unterschrift der Erziehungsberechtigten“. Einige Lehrerautos (VW Käfer und VW Variant) wurden auf dem vorderen Schulhof geparkt. Der 1974er-Jahrgang an dieser Schule war einer der letzten als reine „Mädchen-Schule“, die Direktorin stand mit rasselndem Schlüsselbund am Fenster und passte auf, ob wir von Jungen am Schultor abgeholt wurden, die Frau vom Hausmeister verkaufte in der großen Pause Milch und Kakao in Glasflaschen. Die ersten Tetrapaks schlichen sich ein: „Sunkist“-Trinkpäckchen, Essen und Trinken während des normalen Unterrichts undenkbar. Und: Viele Wandertage und Klassenfahrten nach Nürnberg, Paris, Berlin (mit unvergesslichen Abenteuern). Ein Alleinstellungsmerkmal dieser Klasse: Seit dem Abi wurde fast jedes Jahr ein privates Klassentreffen durchgeführt, es gab immer jemand, die es gerne organisiert hat. Das wird auch so bleiben.

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