Straßenbahnausfälle sorgen für Frust: Fahrgäste drängen in überfüllte Ersatzbusse
Bonn. Technische Probleme und der Ausfall von insgesamt 60 Stadtbahnfahrzeugen sorgen derzeit für erhebliche Einschränkungen im Bonner Nahverkehr. Besonders betroffen sind die Umstiegspunkte Vilich, der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) und Ramersdorf. Fahrgäste müssen dort zwischen Bahnen und Ersatzbussen wechseln, wodurch es vor allem in den Hauptverkehrszeiten zu langen Wartezeiten und dichtem Gedränge kommt. Wer einen Ersatzbus erreicht, erlebt teilweise bereits beim Einstieg volle Fahrzeuge. Andere Fahrgäste berichten davon, dass Busse abfahren, bevor sie einsteigen können.
Seit Dienstag, 8. September, setzt SWB Bus und Bahn zusätzliches Personal ein, um die Umstiege zu erleichtern. Fahrpersonal, das wegen der derzeit nicht verfügbaren Stadtbahnfahrzeuge nicht regulär eingesetzt werden kann, unterstützt das Service- und Kontrollpersonal an besonders belasteten Stellen. In Vilich und am ZOB wird die zusätzliche Unterstützung derzeit besonders benötigt. Wenn weitere Kapazitäten verfügbar sind, soll auch an den Endhaltestellen Siegburg Bahnhof und Bad Honnef zusätzliches Servicepersonal eingesetzt werden.
Die zusätzlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen vor allem dabei helfen, dass Fahrgäste schneller aus- und einsteigen können. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass die Bahnsteige nicht blockiert werden. SWB Bus und Bahn bittet deshalb darum, zunächst aussteigende Fahrgäste passieren zu lassen und anschließend einzusteigen. Gerade in Vilich hatten sich in den vergangenen Tagen immer wieder größere Menschenmengen auf dem Bahnsteig gebildet.
Für viele Pendlerinnen und Pendler ist die Situation dennoch zunehmend belastend. In sozialen Netzwerken schildern Fahrgäste einen täglichen Kampf um verlässliche Verbindungen. Genannt werden überfüllte Fahrzeuge, ausgefallene Bahnen, lange Wartezeiten und zusätzliche Staus auf den Straßen. Einige Nutzer kritisieren zudem die aus ihrer Sicht hohen Ticketpreise angesichts der derzeit eingeschränkten Leistung. Auch Forderungen nach einer Erstattung von Ticketkosten werden laut.

Besonders kritisch wird die Situation auf der Linie 62 beschrieben. Fahrgäste berichten von überfüllten Bahnen zwischen Bonn Hauptbahnhof und Ramersdorf. Gleichzeitig kommt es nach Angaben von Reisenden auch auf dieser Strecke zu einzelnen Ausfällen. Für Pendler, die auf einen pünktlichen Anschluss angewiesen sind, kann bereits ein ausgefallener Kurs dazu führen, dass die nachfolgende Verbindung stark ausgelastet ist.
Auch die Kommunikation des Ersatzverkehrs wird von einzelnen Fahrgästen kritisiert. So wird beispielsweise bemängelt, dass nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sei, wann Bahnen statt Ersatzbussen fahren. Gerade für Ortsunkundige und Reisende kann der Wechsel zwischen verschiedenen Linien und Ersatzverkehrsangeboten dadurch schwer nachvollziehbar sein.
Derzeit gelten für die betroffenen Linien besondere Regelungen. Auf der Linie 16 findet der Bahnverkehr grundsätzlich statt, allerdings entfällt ein Kurs. Die KVB unterstützt mit Fahrzeugen. Auch die Linie 18 wird regulär mit Bahnen bedient. Auf der Linie 66 verkehren die verbliebenen K5000 zwischen Vilich und Bonn Hauptbahnhof. Zwischen Siegburg und Vilich fährt der mit BE67 gekennzeichnete Bahnersatzverkehr.
Zwischen Bonn Hauptbahnhof und Ramersdorf ersetzen Busse mit der Kennzeichnung BE68 die Bahnen. Wer anschließend nach Königswinter oder Bad Honnef weiterfahren möchte, muss in Ramersdorf in den BE66 umsteigen. Fahrgäste in Richtung Oberkassel können nach Angaben von SWB Bus und Bahn möglichst die Linie 62 bis Oberkassel Süd/Römlinghoven nutzen. Die Linien 63, 67 und 68 werden derzeit nicht regulär mit Bahnen bedient. Der Abschnitt der Linie 68 zwischen Hauptbahnhof und Ramersdorf wird durch den BE68 ersetzt.

Eine besondere Situation besteht am Park-and-Ride-Platz in Vilich. Der Großteil der Fläche wird derzeit für das Wenden und Rangieren der Ersatzbusse sowie für weitere Betriebsfahrzeuge benötigt. Deshalb darf dort aktuell nicht regulär mit dem Auto geparkt werden. Das Unternehmen weist auf das absolute Halte- und Parkverbot hin. Fahrzeuge, die den Busverkehr behindern, können abgeschleppt werden. Lediglich der ausgewiesene Taxibereich darf genutzt werden.
SWB Bus und Bahn empfiehlt Fahrgästen, wenn möglich außerhalb der morgendlichen und nachmittäglichen Hauptverkehrszeiten zu fahren oder auf frühere beziehungsweise spätere Verbindungen auszuweichen. Informationen zum aktuellen Betrieb erhalten Reisende außerdem über Durchsagen, digitale Anzeigen und das eingesetzte Service- und Kontrollpersonal.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Stimmung bei vielen Fahrgästen angespannt. Zwischen überfüllten Fahrzeugen, kurzfristigen Ausfällen und dem Wettlauf um einen Platz im Ersatzbus wächst der Frust. Für Menschen, die täglich zur Arbeit, zur Schule oder zu Terminen unterwegs sind, bedeutet der eingeschränkte Stadtbahnbetrieb derzeit vor allem eines: mehr Zeit, mehr Umstiege und weniger Planungssicherheit. (MAB)

